Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Annährungen an eine unbekannte Fragestellung

Leere Seiten

Es soll Leute geben, die ein leeres Blatt Papier als inspirierend empfinden. Ich nicht, ich finde sie heimtückisch. Nicht nur, dass es einem das Hirn schmelzen kann sie an zu starren, sie starren sogar meistens höhnisch zurück. Wenn das Blatt erst einmal spürt, dass man keine Idee hat, kann es hässlich werden – Lange Pausen mutieren zur Nervenzerreißprobe und lassen den Kontrahenten zum weißen Loch werden, das jeden Anflug eines Gedankens sofort unwiderruflich aufsaugt. Die zugegeben etwas waberigen und leicht watteartigen Ansätze, die einem grad eben noch durch den Kopf schwirrten, entschwinden durch Raum und Zeit, auf dass sie in einem anderen Universum eventuell jemandem als Geistesblitz erscheinen mögen. Ersatzhandlungen wie Stiftspitzen, Funktion des Kulis testen oder Strichmännchen malen werden leider meist durchschaut, was wiederum das Starren der Seite noch intensivieren kann.

Leere Formularfelder im Web haben diese Fähigkeiten wie es scheint adaptiert. Auf Ratlosigkeit reagieren sie nicht nur wie ihre Hardware-Verwandten gern mit einem besonders strahlenden Weiß, sie haben ihr Repertoire auch noch um den besonders penetrant blinkenden Cursor erweitert. Es hilft leider auch nichts, sie mit anderen offenen Fenstern zu verdecken, da starren sie ungehindert durch. Vielleicht gründet sich ja auch darauf der Begriff “Fenster” – die dekorative Umrahmung des Ausblicks den das Editierfeld so auf den dümmlichen User hat. Wer weiß schon, ob sie nicht mit einer Tüte Popcorn auf der anderen Seite sitzen.

Zum Glück liegt die Zeit der Schulaufsätze, in der wir immer wieder dieser unbarmherzigen Tortur ausgesetzt waren, schon lange hinter mir. Wer die Tücke kennt, der kann ihr ausweichen. Ich nähere mich keinem leeren Blatt oder Feld mehr, ohne nicht mindestens zwei Absätze im Geist vorformuliert und textsicher auswendig gelernt zu haben. Nachdem mein Blog und ich das nun zwischen uns geklärt haben, werden wir denke ich gute Freunde werden.

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