Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Annährungen an eine unbekannte Fragestellung

Archive for April, 2015

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Biologie Leistungskurs, Thema Evolution, ich glaube es war die zehnte Klasse. Der hagere Mann mit Halbglatze und Bart vor der Tafel wartet auf Antworten. Eine einsame tapfere Wortmeldung irgendwo ganz hinten im Raum: „Durch die Evolution…“ – „Nein, nein, nein, das fängt ja schonmal völlig falsch an!“ Verunsicherung. „Äh… Na die Evolution bewirkte, dass…“ – „Herrje, lass gut sein!

Das Grundprinzip, das uns zum Thema Evulotion wohl am pedantischsten in niemals enden wollenden Stunden eingehämmert wurde, war: Die Evolution entwickelt nicht, sie IST die Entwicklung. Sie handelt nicht, sie bewirkt nicht und sie macht nicht. Sie hat weder Ziel noch Zweck noch Vernunft.
(Danke, Herr von Busch, ein paar Dinge sind haften geblieben!)

Befasst man sich nun mehr oder weniger eingehend mit den Theorien Darwins, so kommt man eigentlich nicht umhin, sie als plausibel oder wenigstens als den besten aller bisherigen Lösungsansätze zu betrachten. Befasst man sich nun weitergehend aber statt nur mit der Botschaft (beziehungsweise deren Übermittlung) auch mit den Boten, so finde ich es schwer, der Evolution nicht wenigstens einen Sinn für Humor sowie einen gewissen Hang zur Dramatik zu unterstellen. Ich glaube es würde micht nicht überraschen, wenn auf einem der noch zu entdeckenden Fossilien (ein deutlich über 120 Millionen Jahre altes Schnabeltier zum Beispiel würde sich anbieten) in Großbuchstaben aber gut versteckt das Wort „OWNED!“ zu lesen wäre.

Ein besonders mannigfaltiges Feld der Kuriositäten bietet die Welt der Symbionten und Parasiten. Komplexe, verwobene und verworrene Strukturen, bei denen die für sich allein gestellte Anpassung A ohne die exakt gleichzeitig auftretende Anpassung B nicht unmittelbar von Vorteil scheint. Die jeweilige Wahrscheinlichkeit, dass Anpassung A oder B auftritt, ist ohnehin schon astronomisch gering, aber nun gut, Zeit und Größe des Genpools machen es möglich. Wie gering ist nun aber die Wahrscheinlichkeit, dass A und B auch noch gleichzeitig auftreten, damit auch ein Vorteil dabei herauspringt? Ein Fall für den unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive würde ich sagen – möglich, aber eben verdammt unwahrscheinlich.

Als ähnlich schwer nachzuvollziehen empfinde ich, wie manch komplexe Prozesse, deren einzelne Phasen für sich gestellt funktionslos wären, sich schrittweise entwickelt haben sollen. Ein Parasit beispielsweise, der über einen Zwischenwirt letztlich wieder in sein Mutterschiff gelangt, der macht schon eine wirklich ziemlich lange und ausgeklügelte Reise. Hm – Schrittweise? Das erinnert mich an die Formulierung „ein bischen schwanger sein“. Dass eine solche Anpassung aber in nur einem Schritt durch ein paar simple Schreibfehler im Code passiert, indem hier und dort mal aus einem G ein T wird, ist irgendwie – möglich, aber verdammt unwahrscheinlich.

Ein schönes und immer wieder gern verwendetes Beispiel für einen solchen Ablauf  ist der kleine Leberegel (Dicrocoelium dendriticum – aber nennen wir ihn der Einfachheit halber Horst). Für gewogene Leser, die vielleicht noch nichts von Horst gehört haben, möchte ich hier kurz seinen Lebenszyklus umreißen. Read More…

Happy Blogging

Ein neuer Webprovider muss her, da der alte zu gierig geworden ist. Ok, das ist schnell erledigt. Da ist er also, aber der Umzug meiner .com-Domain, die bislang für alle möglichen Versuchsprojekte herhalten musste, kann sich etwas ziehen. Ok, richten wir also eine neue Domain für den Übergang ein – man will ja erreichbar bleiben, auch wenn eh üblicherweise nur Spam und Rechnungen im Postfach liegen.

Also eine neue Domain. Die Namensfindung ist hingegen weniger schnell erledigt, nichts was mir in den Sinn kommt ist noch frei. Nach dem gefühlten zehnmillionsten Versuch einen mittlerweile schon nicht mehr ganz so kreativen Namen zu registrieren gebe ich auf. Blöder himphamp, ich will doch nur eine sinnvoll klingende eMail-Adresse für die Übergangszeit. Zwei Tage meide ich meinen Rechner, weil er mich auslacht und mir immer wieder zu verstehen gibt, dass all die hundert kreativen Ideen, die mir zu Namen in den Sinn kommen, schon hundert Leute vor mir hatten.

An Tag drei sitze ich in meinem Garten, platt von der Arbeit und nur noch in der Lage dem Gras bei einem Bier beim wachsen zuzusehen. Ich höre meinen PC entfernt hämisch gackern. Naja, er hat ja recht, ich weiss ja nicht mal was ich mit der zusätzlichen Domain anfangen soll ausser eine Mail-Adresse einzurichten, irgendwie alles und nichts. Hm – mein Freund Douglas kommt mir in den Sinn. Es gibt eigentlich nur ein wirklich passendes Synonym für alles und nichts das mir einfällt: Das Leben, das Universum und der ganze Rest. Und auch wenn man die Fragestellung noch nicht so genau kennt, mit der man sich auseinander setzen möchte, so ist doch immerhin schon eine Antwort parat. Perfekt!

„Alles und nichts“ bietet wohl ein recht umfassendes Grundthema, würdig den hiesigen Rahmen dafür mit ein paar Gedanken zu füllen, und so ist ein stetiger Blog vermutlich der sinnvollste Weg sich der eigentlichen Fragestellung auf die Antwort zu näheren. Da es mir schier unmöglich erscheint diesbezüglich am Thema vorbeizuschreiben (was ansonsten ein erstes, sehr hübsches Paradoxon ergäbe, auf das es sich eventuell irgendwann einmal einzugehen lohnen könnte), bin ich guter Dinge, der Sache gerecht zu werden.

Cheers.

Leere Seiten

Es soll Leute geben, die ein leeres Blatt Papier als inspirierend empfinden. Ich nicht, ich finde sie heimtückisch. Nicht nur, dass es einem das Hirn schmelzen kann sie an zu starren, sie starren sogar meistens höhnisch zurück. Wenn das Blatt erst einmal spürt, dass man keine Idee hat, kann es hässlich werden – Lange Pausen mutieren zur Nervenzerreißprobe und lassen den Kontrahenten zum weißen Loch werden, das jeden Anflug eines Gedankens sofort unwiderruflich aufsaugt. Die zugegeben etwas waberigen und leicht watteartigen Ansätze, die einem grad eben noch durch den Kopf schwirrten, entschwinden durch Raum und Zeit, auf dass sie in einem anderen Universum eventuell jemandem als Geistesblitz erscheinen mögen. Ersatzhandlungen wie Stiftspitzen, Funktion des Kulis testen oder Strichmännchen malen werden leider meist durchschaut, was wiederum das Starren der Seite noch intensivieren kann.

Leere Formularfelder im Web haben diese Fähigkeiten wie es scheint adaptiert. Auf Ratlosigkeit reagieren sie nicht nur wie ihre Hardware-Verwandten gern mit einem besonders strahlenden Weiß, sie haben ihr Repertoire auch noch um den besonders penetrant blinkenden Cursor erweitert. Es hilft leider auch nichts, sie mit anderen offenen Fenstern zu verdecken, da starren sie ungehindert durch. Vielleicht gründet sich ja auch darauf der Begriff “Fenster” – die dekorative Umrahmung des Ausblicks den das Editierfeld so auf den dümmlichen User hat. Wer weiß schon, ob sie nicht mit einer Tüte Popcorn auf der anderen Seite sitzen.

Zum Glück liegt die Zeit der Schulaufsätze, in der wir immer wieder dieser unbarmherzigen Tortur ausgesetzt waren, schon lange hinter mir. Wer die Tücke kennt, der kann ihr ausweichen. Ich nähere mich keinem leeren Blatt oder Feld mehr, ohne nicht mindestens zwei Absätze im Geist vorformuliert und textsicher auswendig gelernt zu haben. Nachdem mein Blog und ich das nun zwischen uns geklärt haben, werden wir denke ich gute Freunde werden.